![]() |
![]() |
![]() |
| entstehung | |||
![]() |
|||
verfasst
und zur Verfügung gestellt |
|||
|
Übersicht über die Abschnitte
Vortrag Jedes Jahr am Abend des 1. Mai laufen in den Nachrichten Übertragungen von den 1. Mai-Krawallen der Linken, von unseren Aufmärschen und von vielen Gewerkschaftsveranstaltungen, auch aus anderen Teilen Europas und sogar von anderen Kontinenten. Vielleicht hat sich der eine oder andere schon einmal gefragt, warum gerade am 1. Mai in so vielen verschiedenen Ländern demonstriert wird, wo der Ursprung liegt und wer von wem diese Tradition übernommen hat. Aber eines dürfte allgemein bekannt sein: Der 1. Mai als politischer Aktionstag ist ein Teil der Arbeiterbewegung. Deswegen vorab ein kleiner Rückblick, wie die Lebensbedingungen der Arbeiter zum Anfang des Industriezeitalters waren. Mit der Industrialisierung wuchs die Verelendung Auf Grund der Landflucht gab es in den Städten mehr Arbeiter als Arbeitsplätze. Die fortschreitende Industrialisierung verschärfte die Situation noch. Den Arbeitern blieb nicht anderes übrig, als für viel zu niedrige Löhne zu arbeiten, wenn sie ihre Familien ernähren wollten. Trotz Arbeitszeiten von bis zu 18 Stunden konnte die Sicherung des Lebensunterhalts bei den meisten Arbeiterfamilien nur dadurch gewährleistet werden, dass alle Familienmitglieder, also auch Frauen und Kinder (!), mitarbeiteten. Absicherungen für den Krankheits- oder Todesfall existierten in den meisten Ländern nicht. Das arbeitende Volk lebte in Baracken und Mietskasernen, teilweise mit sechs- oder siebenköpfigen Familien in einem Zimmer. Die Verelendung der Arbeiter nahm zu, je weiter die Industrialisierung voran schritt. Das führte natürlich zur Unzufriedenheit und darauf folgen meist organisierte Proteste.
Doch wer im 19. Jahrhundert bereit war, sich für eine Verbesserung der sozialen Situation der Arbeiter einzusetzen oder auch nur eine entsprechende Versammlung besuchte, riskierte damit nicht nur automatisch, daß er und auch der Rest seiner Familie die Arbeitsplätze verlieren und der Lebensunterhalt nicht mehr gedeckt werden konnte. Häufig folgte als Abschreckung der Besuch eines vom Arbeitgeber organisierten Schlägertrupps. Bei "Rädelsführern", die sich davon nicht abschrecken ließen, kam es nicht selten zur Brandstiftung. Auf diese Art und Weise sorgten die Betriebe dafür, daß der organisierte Zusammenschluss der Arbeiter nur langsam voranschritt. Die meisten Arbeiter waren sich der Notwendigkeit des organisierten Widerstandes bewusst, aber nur wenige waren bereit zu riskieren, daß sie nicht mehr in der Lage sein würden, ihren Kindern Essen und ein Zuhause zu bieten. Die Arbeiterbewegung formierte sich langsam und anfangs nur mit wenigen Mitstreitern, doch wie jede Bewegung, die vom Volk ausgeht, war auch diese nicht zu stoppen und wurde zum Selbstläufer. Am weitesten voran geschritten im 19. Jahrhundert war die amerikanische Arbeiterbewegung. Das lag aber nicht etwa daran, daß die Arbeiter in Europa weniger solidarisch und revolutionär dachten. Der Grund war ganz einfach: Die Verelendung der Arbeiter schritt in Amerika schneller voran. Dafür ist als Hauptursache anzusehen, dass nach dem Sezessionskrieg (1865) sowohl verarmte Plantagenbesitzer als auch ehemalige Sklaven auf den Arbeitsmarkt drängten. Hinzu kam, dass immer noch Einwanderer nachrückten, die bereit waren, für wenig Lohn jede Arbeit anzunehmen. Diese Einwanderer standen jeweils vor einem Neufang, eine Veränderung der Situation war für sie eine Notwendigkeit. Und je schneller und krasser sich eine Situation zuspitzt, um so schneller sind die Leute auch bereit, Widerstand zu leisten und sich zu organisieren. "Moving Day" - der 1.Mai 1886 in Amerika Im amerikanischen Arbeitskampf kam es 1886 zu einem Zwischenfall, welcher später dazu führte, daß der "Tag der Arbeit" genau auf den 1. Mai fiel und nicht an irgendeinem anderen Datum stattfand. In Amerika erhoben die Gewerkschafter bereits im Jahr 1886 die Forderung nach der Einführung eines 8-Stunden-Tages. Dafür sollte ein mehrtägiger Generalstreik geführt werden, beginnend am 1. Mai 1886. Der Grund für diese Datumswahl war völlig banal, denn damals stand noch nicht das Datum sondern die Forderung im Mittelpunkt. Der 1. Mai war in Amerika bekannt als "Moving day", der Stichtag, an dem Verträge geschlossen oder aufgehoben, also neue Arbeitsbedingungen für die Arbeiter festgelegt wurden. Durch die Nähe zu diesem "Moving day" erhoffte man sich, daß die geforderte Arbeitszeitverkürzung gleich in die neuen Verträge aufgenommen wird. Für den ersten Tag des mehrtätigen Generalstreiks, also den 1. Mai 1886 konnten die amerikanischen Gewerkschafter rund 400.000 Arbeiter mobilisieren. In die neuen Arbeitsverträge wurde der 8-Stunden Tag jedoch nur für einen relativ geringen Teil, für 20.000 Arbeiter, übernommen. Ein relativ geringer Erfolg, wenn man bedenkt, wie viele Opfer die ersten Maitage 1886 in Chicago forderten. In Chicago marschierten am 1. Mai 80.000 Arbeiter auf. Aufgeschreckt durch die Macht und Solidarität der Arbeiter gründeten Geschäftsleute Bürgerkomitees und die Zeitungen versuchten die Arbeiter durch negative Berichterstattungen zu spalten. Der Generalstreik war für mehrere Tage angesetzt, wodurch die gesamte Industrie in und um Chicago zum Erliegen kam. Ein riesiges Polizeiaufgebot stand bereit und wartete auf einen Vorwand, um einzugreifen. Im Hintergrund wartete die Staatsmiliz mit 1350 Soldaten; doch der 1. und 2.Mai 1886 blieben ruhig. Am 3.Mai versammelten sich wieder 6000 Mitglieder einer Holzverladegewerkschaft. Der Streik galt der McCormick-Landmaschinenfabrik. Mc Cormick hatte neue Maschinen eingeführt, zahlreiche Arbeiter entlassen und jeder, der seinen Arbeitsplatz erhalten wollte, musste Lohnkürzungen akzeptieren. Dagegen wurde gestreikt. Der Hauptreder war ein gebürtiger Deutscher namens August Spies, der Betreiber einer "Arbeiter-Zeitung". In seiner Rede hetzte er weder direkt gegen die McCormick-Werke, noch rief er zu Gewalt auf.
Doch genau zum Ende seiner Rede wurde durch die Fabrikglocke der Feierabend eingeläutet. Als Streikbrecher versuchten, das Fabrikgelände zu verlassen, wurden sie von den Streikenden als Arbeiterverräter beschimpft, mit Eisenstangen angegriffen und zurück in die Fabrik gedrängt. Diese Auseinandersetzung lieferte der Polizei den gewünschten Vorwand, um ohne Vorwarnung mit Knüppeln und Revolvern anzugreifen. Dabei wurden vier Arbeiter getötet und vier schwer verletzt. Aus Protest und zum Gedenken an die vier toten Arbeiter wurde eine weitere Kundgebung für den Abend des 4.Mai auf dem Haymarket in Chicago organisiert, zu der ca. 1000 Arbeiter kamen. Die Polizei umstellte den Platz und wollte die nicht genehmigte Versammlung auflösen, als eine Bombe mitten im Polizeitrupp detonierte. 70 Polizisten wurden verletzt, 7 starben, jedoch nur einer als Folge der Detonation. Die meisten Beamten wurden durch Kugeln ihrer in Panik geratenen Kollegen verletzt. Wie viele Arbeiter von der wild um sich schießenden Polizei verletzt wurden oder starben wurde nie erfasst, aber noch Stunden danach waren die in der Nachbarschaft befindlichen Apotheken und Arztpraxen von verletzten Zivilisten, streikenden Arbeitern überfüllt, die sich versorgen lassen wollten. Bis heute konnte nicht eindeutig geklärt werden, wer für diese Bombe verantwortlich war. Der Zwischenfall wurde jedoch als Vorwand für staatliche Repressionen genommen. In den nächsten Tagen kam es z.B. wegen angeblicher Waffenlager zu einer Verhaftungswelle in Chicago. Wie inzwischen bekannt ist, wurden viele dieser Waffenlager in Arbeiterwohnungen von der Polizei angelegt, um sie später bei einer Wohnungsdurchsuchung überraschend zu finden. Methoden, die auch uns heute nicht unbekannt sind. Bei den vermeintlichen Verantwortlichen, die überraschend schnell gefunden wurden, handelte es sich ausschließlich um bekannte Rädelsführer/Gewerkschaftler, die teilweise nicht einmal vor Ort waren bzw. Alibis hatten. Einer der Hauptverdächtigen, der Deutsche Michael Schwab, hatte auf einer ganz anderen Veranstaltung zu dem Zeitpunkt eine Rede gehalten.
Bombendetonation auf dem Haymarket als Vorwand für Repressionswelle Wegen des gemeinschaftlichen Mordes an einem Polizisten wurde die Anklage erhoben gegen Adolph Fischer und Georg Engel (Organisatoren der Veranstaltung auf dem Haymarket). Ebenso gegen August Spies, Samuel Fielden und Albert Parsons (beide waren Redner bei der Veranstaltung auf dem Haymarket). Weitere Angeklagte waren Michael Schwab, Oscar Neebe, Louis Lingg, William Seliger und Rudolph Schnaubelt. Wie an den Namen bereits erkennbar, war der größte Teil der Angeklagten aus Deutschland ausgewandert. Alle Angeklagten gehörten zum Kader der anarchistischen Bewegung. Albert Parsons und Rudolph Schnaubelt konnten sich durch Flucht aus Chicago der Verhaftung entziehen, wobei Albert Parsons sich später freiwillig stellte. Die betroffenen Männer wurden des gemeinschaftlichen Mordes angeklagt. Daß es hierbei einzig um Abschreckung ging und nicht um den Versuch, die wahren Täter zu bestrafen, wurde bereits aus dem Plädoyer der Staatsanwaltschaft an die Geschworenen deutlich:
Nach nur wenigen Stunden stand ohne Beweise für die Beteiligung an der Tat oder der ihnen unterstellten Verschwörung das Urteil fest: 7 Angeklagte wurden zum Tode verurteilt, zwei dieser Todesurteile wurden aber später auf Grund von Gnadengesuchen in "lebenslänglich" umgewandelt), ein Angeklagter erhielt 15 Jahre Gefängnis und einer, William Seliger entzog sich der Verurteilung, indem er sich als Zeuge für die Anklage zur Verfügung stellte. Ein Jahr später starben 4 Verurteilte durch Erhängen, der letzte hatte vorher im Gefängnis Selbstmord begangen. Das Begräbnis wurde zu einer Protestdemonstration, an der in Chicago 150.000 Menschen teilnahmen. Die Polizei, die hatte eingreifen wollen, musste vor der gewaltigen Menschenmenge zurückweichen. 6 Jahre später erklärte der Gouverneur von Illinois den Prozess von Chicago offiziell zum Justizmord und die noch Inhaftierten wurden für unschuldig erklärt und konnten das Gefängnis verlassen. Der blutige Vorfall in Chicago, der Schauprozess und weitere Repressionen, wie z.b. der Verschwörungsparagraph, der es möglich machte, Arbeiter die sich nur über Streik unterhielten wegen Verschwörung zu verhaften, konnten den Kampf für die Arbeitszeitverkürzung einige Jahre unterbrechen. Die verstärkte Verfolgung der organisierten Arbeiter und Gewerkschaftler dauerte so lange an, daß die Gewerkschaftler beschlossen, erst wieder am 1.Mai 1890 Streiks und Kundgebungen durchzuführen. Diese Planung war allein auf Amerika beschränkt. Zwischen 1886 und 1890 gab es auch in Amerika keine Aktionen zum 1. Mai. In Europa hatte der 1.Mai noch keine Bedeutung als politischer Aktionstag. Der Arbeiterkongreß 1889 in Paris Doch ein Jahr vor dem nächsten Aktionstag in Amerika (also 1889, drei Jahre nach dem Zwischenfall in Chicago) luden führende Sozialisten aus Frankreich Delegierte sozialistischer Parteien und Gewerkschaftler aus zahlreichen Ländern, zu einem mehrtägigen internationalen Arbeiterkongress nach Paris ein. Die französischen Sozialisten betrachteten den Sturm auf die Bastille als Sinnbild für die Französische Revolution und die Macht des Volkes und wollten dessen 100-jähriges Jubiläum feiern. Ca. 400 Delegierte aus fast allen europäischen Ländern, der USA und Argentinien folgten dieser Einladung. Auf diesem internationalen Arbeiterkongress berichteten die Gewerkschaftsvertreter der einzelnen Länder u.a., wie weit die Arbeiterbewegung jeweils vorangeschritten ist, was bereits erreicht wurde und welches die derzeitigen Ziele sind. Es stellte sich heraus, daß fast alle Länder einen mehr oder weniger gleichen Stand hatten: das Hauptziel war eine Arbeitszeitverkürzung, denn gerade diese lange Arbeitszeit führte zu gesundheitlichen Schäden, die mangels staatlicher Systeme zur Absicherung im Krankheitsfall zur weiteren Verelendung einer Familie führen konnte. Auf der letzten Sitzung, am 20. Juli 1889 wurde beschlossen, daß ein bestimmter Tag festgelegt werden soll, an dem gleichzeitig international in möglichst vielen Städten die Arbeiter mit der Forderung einer Arbeitszeitverkürzung auf die Straße gehen. Von einer jährlichen Wiederholung war zunächst keine Rede. Die Idee, daß es einen internationalen Aktionstag für die Arbeiter geben soll, entstand also am 20. Juli 1889 in Paris auf der Konferenz anlässlich des 100-jährigen Jubiläums der Französischen Revolution. Es gibt also kein Land, das für sich beanspruchen kann, der alleinige Urheber oder Ideengeber des politischen 1. Mai zu sein. Auf Grund der notwendigen Vorbereitungszeit hatte man sich schnell darauf geeinigt, daß erst im nächsten Jahr, also 1890 das erste mal international am gleichen Tag demonstriert werden sollte. Es musste nur noch das genaue Datum festgelegt werden. Von den Vertretern der amerikanischen Arbeiterbewegung wurde der 1.Mai vorgeschlagen, weil für dieses Datum in Amerika für 1890 ohnehin schon Streiks und Kundgebungen vorgesehen waren, während in allen anderen Ländern für das nächste Jahr noch keine gezielten Aktionen zu bestimmten Terminen in Vorbereitung waren. Es lag also auf der Hand, daß man das Datum der Amerikaner übernahm. Die Amerikaner schlugen den 1.Mai als zukünftigen politischen Aktionstag der Arbeiter vor, weil dann Moving-Day in Amerika ist und sie dafür ohnehin schon Streiks und Kundgebungen geplant hatten, aber auch als ständige Erinnerung an die in Chicago erschossenen Arbeiter. Die Mobilisierung für den 1. Mai 1890 als den "Kampf- und Feiertag der Arbeiter" begann in allen europäischen Ländern und stieß auf viel Zustimmung. Seine Vorbereitung sorgte in vielen Staaten für neuen Aufschwung in der Arbeiterbewegung. Mobilmachung zum 1.Mai 1890 im Deutschen Reich Im Deutschen Kaiserreich fiel der Beschluss des Pariser Kongresses, den "Kampf- und Feiertag der Arbeiter" als internationale Aktion zu führen, mitten in dessen größte Streikwelle hinein und wurde begeistert angenommen. Bis Dezember 1889 hatten bereits 18 Gewerkschaften zugesichert, sich dem Generalstreik anzuschließen und am kommenden 1.Mai zu demonstrieren. Erschwert wurden die Vorbereitungen allerdings dadurch, daß in Deutschland noch das Sozialistengesetz galt. Das bedeutete, die sozialdemokratischen Parteien, der ja viele Gewerkschaftler angehörten, waren zu den Wahlen zwar zugelassen, aber deren Versammlungen waren verboten. Um keine Verlängerung zu provozieren, riet die sozialdemokratische Reichstagsfraktion vom Generalstreik am 1.Mai 1890 ab. Die SPD stellte 1890 ihre eigenen Interessen also über die der Arbeiter. Die Reaktion der Unternehmer war wie erwartet: Sie drohten mit Aussperrungen, Entlassungen und Schwarzen Listen. Diese Schwarzen Listen wurden von den Arbeitgebern untereinander abgestimmt. Wer auf diese Schwarze Liste kam, brauchte sich um Arbeit nicht mehr bemühen oder musste die Region, in der er als "aufsässig" oder Angehöriger einer Gewerkschaft verschrieen war, verlassen. |
|||
| Hamburg | |||
Hamburg - ein Schwerpunkt Bereits in der Vorbereitungszeit wurde klar, dass einer der Schwerpunkte hierbei Hamburg sein würde. Mobilisiert wurde damals nicht nur durch Flugblätter und Plakate. Es gab Versammlungen für die einzelnen Berufsgruppen, wo Gewerkschaftsvertreter sprachen. Hamburg lag hierbei mit 133 Versammlungen an der Spitze, wobei 33 dieser Versammlungen sogar mehr als 10.000 Besucher gehabt haben sollen.
Doch auch die Unternehmer bereiteten sich auf den 1.Mai vor. Sie gründeten am 1. April 1890 in der Hamburger Börse den "Arbeitgeberverband von Hamburg und Altona". Ziel dieses Verbandes war die Zerschlagung der Gewerkschaften. Es wurde beschlossen, dass jeder, der sich am 1.Mai am Streik beteiligen würde, ausgesperrt und auf die schwarze Liste gesetzt werden sollte. Was ja nicht neues war. Es wurde allerdings auch beschlossen, dass für die Zeit nach dem 1.Mai sog. Arbeitsnachweise (die auch damals schon teilweise z.B. für Vermieter oder bei zukünftigen Arbeitsgebern benötigt wurden) nur noch vergeben wurden, wenn jemand seinen Austritt aus der Gewerkschaft nachweisen konnte. Außerdem wurde ein Garantiefonds eingerichtet, der es kleineren Unternehmen ermöglichen sollte, eine Aussperrung und somit eine Arbeitsruhe finanziell zu überstehen. Doch die Unternehmer konnten die Entwicklung nicht aufhalten. Am ersten Kampftag der Arbeiter streikten 1890 ca. 100.000 Arbeiter und nahmen stattdessen an Demonstrationen teil. Die vorbereitende Arbeit der Hamburger Berufsverbände lohnte sich, zeitweise nahmen in Hamburg am 1.Mai zwischen 20.000 und 30.000 Arbeiter teil, die meisten kamen aus dem Baugewerbe. Die Arbeitgeber reagierten wie abgesprochen am 2. Mai mit Aussperrung von fast 20.000 Hamburgern. Erstmals standen sich Arbeitgeber und Arbeitnehmer vereinigt und organisiert gegenüber, die Streiks und Aussperrungen wurden über 10 Wochen aufrecht erhalten. Dass die Arbeitnehmer so lange durchhalten konnten, lag daran, dass 470.000 Mark Streikunterstützung gesammelt wurden, wobei 1/3 von auswärtigen Kollegen getragen wurde. Um den Streik in Hamburg zu unterstützen, wo die meisten Arbeiter betroffen waren, wurden in allen anderen Regionen die Streiks frühzeitig beendet. Um die Streikkasse zu entlasten, verließen viele Arbeiter Hamburg und suchten während der Streikphase in anderen Regionen Arbeit oder bei auswärtigen Arbeitern Unterschlupf, so dass zeitweise unter optimalen Bedingungen von den 20.000 Ausgesperrten nur 500, jedoch zu keinem Zeitpunkt mehr als 5000 unterstützt werden mussten. Die Solidarität unter den Arbeitern funktionierte damals überregional. Dass die Arbeitgeber so lange durchhalten konnten, lag unter anderem an dem Garantiefonds des Verbandes, aber auch daran, dass sie ca. 2.000 größten Teils ausländische Streikbrecher zur Verfügung hatten! Nach ca. 10 Wochen wurden Aussperrungen und Streiks beendet, das Ergebnis war allerdings nur eine Regelarbeitszeit von 10 Stunden täglich; in einigen Bereichen jedoch waren auch danach noch 13-Stunden-Tage üblich. Weitere Schwerpunkte der Streiks waren Berlin und Dresden. SPD stand der Entwicklung erneut im Wege Kurz darauf wurde das Sozialistengesetz aufgehoben und die SPD beschloss, den 1.Mai als "Feiertag der Arbeiter" in den nächsten Jahren zu wiederholten. Das Wort "Feiertag" allerdings nicht in dem Sinne, wie wir es heute kennen, also als gesetzlichen arbeitsfreien Tag. Wer zu den Kundgebungen ging, fehlte unerlaubt oder auf Kosten eines Urlaubstages am Arbeitsplatz. Der 1.Mai verwandelte sich also nur von "Kampf- und Feiertag" in "Feiertag der Arbeiter". Was nicht nur weniger revolutionär klang, sondern dem 1.Mai auch durch die Aktionsform einen anderen Charakter gab. Es war zwar immer noch vorgesehen, am 1.Mai zu streiken und zu demonstrieren, aber nicht generell. Laut SPD sollte die Entscheidung darüber, ob die Arbeitnehmer eines Betriebes streiken, nicht davon abhängig gemacht werden, welche Arbeitsbedingungen dort herrschten, sondern jeweils von der wirtschaftlichen Situation des Betriebes. Die Interessen des Arbeitgebers wurden also über die der Arbeitnehmer gestellt! Dort, wo es zu erheblichen Belastungen für den Betrieb kommen würde (also dort, wo ein Streik auch Erfolge zeigen würde), sollte auf Aktionen zum 1.Mai verzichtet werden und ersatzweise sollte am ersten Sonntag im Mai (wo die Firmen ohnehin geschlossen hatten) "gefeiert" werden. Es wurde zu Festen im Freien und Festumzügen oder Maispaziergängen aufgerufen, nicht mehr zu politischen Demonstrationen. Viele Arbeiter zogen dann natürlich den 1.Maisonntag vor, weil sie damit nicht ihren Arbeitsplatz riskierten. Dadurch, daß die SPD beide Varianten als gleichwertig einstufte, behinderte sie die Entwicklung des 1.Mai als politischen Aktionstag ein zweites Mal! Vom Feiertag zum Blutmai Während des 1.Weltkrieges wollte die SPD auf Lohnkämpfe und Maikundgebungen gänzlich verzichten, da alle Männer an der Front und die Frauen in den Fabriken benötigt wurden. An diesem Thema spaltete sich die SPD. Der Spartakusbund (Vorläufer der KPD) sonderte sich ab. Zu unterschiedlich waren die Pläne für den 1.Mai. Der Spartakusbund wollte die Kriegsindustrie behindern und rief zu Streiks auf, während die SPD dazu aufrief, wegen des Krieges auf 1.Mai-Veranstaltungen innerhalb der Woche gänzlich zu verzichten und es bei Maispaziergängen am Sonntag zu belassen. Erstmals zum gesetzlichen Feiertag erklärt wurde der 1.Mai 1919. Allerdings war dieses Gesetz auf ein Jahr beschränkt und hatte wohl den Hintergrund, nach den Novemberunruhen 1918 keinerlei revolutionäre Bewegungen durch Streiks auf den Straßen zu provozieren. Ob der 1.Mai auch in den nachfolgenden Jahren ein gesetzlicher Feiertag sein würde, sollte nach Friedensschluss und Verabschiedung der Verfassung geklärt werden. Wie wir heute wissen, blieb es in den meisten Bundesländern auf das Jahr 1919 beschränkt. Lediglich in Braunschweig, Lübeck, Sachsen und Schaumburg-Lippe war der 1. Mai noch bis 1922 ein gesetzlicher Feiertag. Für die Rücknahme des Gesetzes traten besonders die bürgerlichen Parteien ein und begründeten dieses damit, daß ein Feiertag für eine einzelne gesellschaftliche Gruppe (die Arbeiter) nicht verbindlich für die ganze Gesellschaft sein könnte. Um das zu widerlegen, hatte die SPD in der Nationalversammlung angeregt, aus dem "Feiertag der Arbeiter" einen allgemeinen Volksfeiertag zu machen, um so ihren Willen zur Klassenversöhnung zu dokumentieren. Für die Unternehmer waren Aufrufe zu Maifeiern aber genauso provokativ wie die ursprünglichen Aufrufe zu Generalstreiks. Egal, ob gefeiert oder demonstriert wird, Aufrufe für den 1.Mai seien – laut Unternehmerverbänden – gleichzusetzen mit Propaganda für den Umsturz, der Beseitigung des Privateigentums und der Errichtung einer proletarischen Diktatur. Gleichgültigkeit gegenüber der Maifeier bedeute Kapitulation vor dem Marxismus. Die Unternehmerverbände setzten sich durch. Der 1.Mai war nur für das Jahr 1919 ein gesetzlicher Feiertag. Der 1.Mai wurde zwar weiterhin jährlich durchgeführt, blieb aber ein regulärer Arbeitstag, an dem die Teilnehmer unentschuldigt von der Arbeit fern blieben. Selbstverständlich führten auch die Nationalsozialisten in den Jahren der Weimarer Republik zahlreiche Aktionen am 1.Mai durch. So z.B. 1923, als Adolf Hitler in München im Namen der von ihm organisieren "Arbeitsgemeinschaft der vaterländischen Kampfverbände" einen bewaffneten Aufmarsch durchführte. Auf einer Maifeier der Sozialisten hatten sich 20.000 Mann versammelt und Hitler behauptete, ein Linksputsch stünde bevor. Die bayrische Landespolizei und Angehörige der Reichswehr in Reserve entwaffneten Hitlers Anhänger, aber den Eindruck, den der Aufmarsch hinterließ, blieb haften. Auf Grund des im gleichem Jahr im November durchgeführten Putschversuches arbeiten heute noch einige Historiker mit der Frage, ob dieser bewaffnete 1.Mai-Aufmarsch eventuell ein erster Putschversuch gewesen sein könnte. Die von den Sozialisten geforderte Anklage wegen Hochverrats erfolgte jedoch nicht. Auch innerhalb der Arbeiterbewegung war man sich nicht einig, wie der 1.Mai durchgeführt werden sollt. Die christlichen Gewerkschaften z.b. lehnten 1.Mai-Demonstrationen als "marxistische Heerschau" ab. Sie waren für Streiks, aber ohne Aufmärsche. Für die kommunistischen Gewerkschaften blieb der 1.Mai ein "Kampftag des Proletariats", während er für die Sozialdemokraten ein "Feiertag" (also ohne Kampf und politische Ziele) wurde.
Der 1.Mai 1929, der als "Berliner Blutmai" in die Geschichte einging, wurde der Höhepunkt der Konflikte zwischen SPD und KPD im Bezug auf den 1. Mai. Polizeipräsident von Berlin war 1929 Karl Zörgiebel, ein Anhänger der SPD. Wegen angeblicher befürchteter Unruhen verhängte er für den 1.Mai ein Demonstrationsverbot über die Stadt. Die KPD reagierte auf das Verbot ihrer traditionellen Kundgebung mit einem Aufruf zu einer friedlichen Massendemonstration, dem auch tausende Demonstranten folgten. Als sie versuchten, von den Berliner Außenbezirken in das Stadtzentrum zu marschieren, stellte sich ihnen ein 13.000köpfiges Polizeiaufgebot entgegen. Es kam zu Straßenkämpfen, bis die Polizei schließlich willkürlich in die Menge schoss. Unter Führung des Roten Frontkämpferbundes wurden Barrikaden und Straßensperren errichtet. In den traditionellen Arbeitervierteln Wedding und Neukölln wurde sogar der Ausnahmezustand ausgerufen. Die Unruhen dauerten drei Tage und forderten über 200 Verletzte und 33 Tote. Ungefähr 1.200 Personen wurden verhaftet. Der Rote Frontkämpferbund wurde auf Grund seiner Rolle am "Berliner Blutmai" wegen des Versuchs eines kommunistischen Aufstands verboten. Bis 1932 stieg die Arbeitslosenquote auf Grund der Wirtschaftskrise, die auf den "Schwarzen Freitag" (New Yorker Börsenkrach 1929) folgte, auf 33 Prozent. Es gab über sechs Millionen Arbeitslose, aber nur eine unzureichend entwickelte Arbeitslosenversicherung. Die soziale Situation der Arbeitslosen spitzte sich zu und der Kampf um die Gewinnung dieser Masse erhielt nicht nur bei den Nationalsozialisten höchste Priorität. 1.Mai - arbeitsfrei seit 1933 Goebbels und Hitler hatten mehrfach erklärt, dass die Integration der Arbeiter und auch der Arbeitslosen in die "Volksgemeinschaft" unbedingt erforderlich sei. Eine Schlüsselrolle hierbei sollte der 1.Mai 1933 spielen. Im April 1933 erklärte Adolf Hitler den 1.Mai zum gesetzlichen "Feiertag der nationalen Arbeit". Erstmals in der Geschichte – wenn man von 1919 absieht – würde niemand seinen Arbeitsplatz riskieren müssen, wenn er zu Kundgebungen ging. Böse Zungen behaupten, Hitler hätte diesen geschickten Schachzug begangen, um seine noch nicht gefestigte Stellung (schließlich war er ja erst wenige Montage vorher Reichskanzler geworden) zu sichern. Die Arbeiter/Arbeitslosen, die alle Jahre zuvor jeweils zum 1.Mai auf der Straße waren, würde man nur schwer daran hindern können, 1933 wieder zu marschieren. Die 1.Mai-Kundgebungen wären ein guter Ort für die Roten gewesen, um noch einmal zum Schlag gegen Hitler auszuholen. Dadurch, daß Hitler den 1.Mai zum Feiertag erklärte, sei er denen einen Schritt voraus gewesen und hätte die Herzen der Arbeiter für sich gewonnen. Es mag nicht ganz von der Hand zu weisen sein, daß die Rotfront die normalen revolutionären 1.Mai-Aufmärsche wahrscheinlich wieder in Straßenkämpfe umgewandet hätte, aber es ist recht unwahrscheinlich, daß darin der Hauptgrund für Hitlers Entscheidung lag, denn 1.) hätte er den 1.Mai dann, sobald die Führung der Nationalsozialisten gefestigt war, wieder abgeschafft 2.) hatten sowohl Hitler als auch Goebbels in Reden mehrfach auf die Bedeutung des Arbeiters für die Volksgemeinschaft, und zwar nicht nur als Wähler, hingewiesen. Der Arbeiter macht nicht nur den größten Teil eines Volkes aus, sondern mit ihm steht und fällt das wirtschaftliche Wohl des Volkes. Um zu verstehen, wie solche Aussagen gemeint sind, muss man sich nur vorstellen, was passiert, wenn tatsächliche alle Maschinen über einen längeren Zeitraum stillstehen würden. 3.) Wenn es Hitler lediglich um die Beeinflussung der Arbeiter zu seinen Gunsten gegangen wäre, dann hätte er das gleiche auch mit anderen Gruppen und Klassen gemacht. Es hätte einen Tag der Beamten, einen Tag der Angestellten oder einen Tag der Offiziere usw. gegeben. Hat es aber nicht. Einen Feiertag und somit einen ausdrücklichen Ehrentag gab es nur für zwei Personengruppen, bei denen Hitler immer wieder erwähnte, wie wichtig gerade diese beiden Gruppen für ein souveränes Volk sind: die Mütter und die Arbeiter. Hitler hat den 1. Mai als "Tag der Arbeiter" also nicht erfunden, er gab ihm aber nicht nur den Rahmen eines gesetzlichen Feiertages, er gab ihm auch eine neue Bedeutung. Es ging nicht mehr darum, an diesem Tag Veränderungen zu Gunsten eines bestimmten Teiles des Volkes zu erreichen. Jetzt ging es darum, die Arbeiter dadurch, daß sie einen nach ihnen benannten Feiertag erhielten, zu ehren und ihnen auf diese Weise für den unermüdlichen und unverzichtbaren Einsatz für die Volksgemeinschaft zu danken. Ein Kampftag im üblichen Sinne war nicht mehr erforderlich. Je mehr sich die Deutschen zu einer Volksgemeinschaft zusammenschlossen, um so geringer wurde der Wunsch nach Streiks. Jeder Streik bedeutete, daß Maschinen stillstehen, damit für einzelne Personen Verbesserungen erreicht werden. Ein Stillstand von Maschinen jedoch schadete der Gemeinschaft und das entsprach nicht der Weltanschauung der Nationalsozialisten.
Seit dem 1.Mai 1933 hieß der 1. Mai "Feiertag der nationalen Arbeit" und ist bis heute ein gesetzlicher Feiertag. 1934 wurde er entsprechend der gewachsenen Volksgemeinschaft, in der es keine Klassen mehr gab umbenannt in "Nationaler Feiertag des deutschen Volkes". Auch am "Tag der nationalen Arbeit" gab es Massenveranstaltungen, aber zusätzlich symbolträchtige kleinere Veranstaltungen, wie der Besuch von Fabriken durch Adolf Hitler oder das Pflanzen einer Eiche in Berlin, der Austausch von Arbeitsplätzen für einige Wochen (Medizinstudenten gehen in die Fabriken, um zu signalisieren, dass der Arbeiter der Stirn sich mit dem Arbeiter der Faust identifizieren kann) und ähnliches. Kriegsende: 1.Mai von Besatzers Gnaden 1945 versuchten unverbesserliche Sozialdemokraten, Kommunisten und Gewerkschaftler – mit Genehmigung der alliierten Streitkräfte – Maifeiern in bereits besetzten Gebieten zu organisieren. Verboten waren nur die Demonstrationen. Es störte sie nicht, daß es an vielen anderen Orten noch Kampfhandlungen gab, daß die Wehrmacht noch gar nicht kapituliert hatte und dass zeitgleich andere Deutsche an der Front Munition brauchten. Aber sie hatten kaum Erfolg. Diese Maifeiern fanden nur in kleiner Runde statt. Die meisten Deutschen kämpften noch ums Überleben, bangten um Angehörige, hungerten, waren auf der Flucht oder hausten zwischen Trümmern.
1946 wurde der 1. Mai als gesetzlicher Feiertag durch den alliierten Kontrollrat bestätigt. Es durften Maiumzüge stattfinden, allerdings auf Anordnung der amerikanischen Militärverwaltung nur ohne Fahnen und ohne Transparente. In der sowjetischen Besatzungszone hingegen durften Transparente mitgeführt werden. In Berlin gab es 1946 z.b. Aufmärsche in Spandau, Schöneberg und natürlich Neukölln. Aber in einem Punkt waren die Aufmärsche in allen Besatzungszonen gleich: es fehlten die jungen Männer! Die befanden sich – während einige bereits wieder zu Feiern aufriefen - noch in Gefangenenlagern, in Lazaretten oder waren erst auf dem Weg von Front in die Heimat, wo hoffentlich überlebende Angehörige auf sie warteten. An 1.Mai-Feiern dachten diese Männer ganz sicher nicht. 1.Mai in der DDR: Erzwungene Heerschau ohne Arbeiter In den Folgejahren entwickelte sich der 1.Mai in DDR und BRD unterschiedlich:
Auch in der DDR blieb der 1.Mai ein gesetzlicher Feiertag. Allerdings ging es hier nicht mehr um Forderungen zur Verbesserung der Situation der Arbeiter oder darum, die Arbeiter zu feiern, sondern nur noch darum, eine Einheit von Bürgern und Regierung zu demonstrieren. Bis 1977 (Ende des Kalten Krieges) ließ die Partei- und Staatsführung die "gepanzerte Faust der Arbeiterklasse" nach sowjetischem Vorbild bei Militärparaden an sich vorbeiziehen und die Arbeiter geloben, zukünftig mehr zu produzieren und besser zu arbeiten. Die Staatsführung stand dabei z.B. auf dem Balkon des Volkskammergebäudes in Ostberlin, ein Kontakt mit der Bevölkerung (wie z.B. Hitler ihn durch Betriebsbesichtigungen erreichte) war nicht erwünscht. Die Beteiligung der DDR-Bürger an den 1.Mai-Feierlichkeiten wurden von den Betrieben angeordnet, Fernbleiben zog automatisch Repressionen nach sich. Seit 1988 wurden 1.Mai-Feiern in der DDR zu geschlossenen Gesellschaften erklärt, um oppositionellen Spruchbändern keinen Boden zu geben. 1.Mai in der BRD: Unpolitisch und bedeutungslos In der BRD übernahm der DGB zukünftig die führende Rolle im Bezug auf die 1.Mai-Veranstaltungen. Der DGB würde sich nur zu gern anrechnen lassen, Mitbegründer der Tradition vom politischen 1.Mai zu sein. Der Vorläufer des DGB hat jedoch nicht zum 1.Mai geführt, sondern ist ein Produkt davon. Vor 1890 gab es viele einzelne branchenbezogene Gewerkschaften. Die Erfahrung dieser gemeinsamen Aktion am 1.Mai 1890 führte erst zur Gründung eines Dachverbandes und somit zum Zusammenschluss der einzelnen Gewerkschaften. Aus diesem Dachverband ging dann 1949 der DGB hervor. Der DGB beschloss das Motto, die zentralen Parolen und war für die Inhalte der Maiaufrufe verantwortlich. Und er war dafür verantwortlich, daß der politische Charakter des 1.Mai immer weiter verwässert wurde. Seit 1951 vermischte der DGB die Kundgebungen immer mehr mit kulturellen Veranstaltungen. Aus einer auf die Kundgebung folgende schlichten Feierstunde wurde eine Revueshow, auf der beiläufig neben künstlerischen Darbietungen eine gewerkschaftliche Forderung erwähnt oder erläutert wurde. Die Folge war, daß seit Mitte der 50er Jahr die Teilnehmerzahlen sanken. Der 1.Mai war nicht mehr der Kampf- und Feiertag der Arbeiter, sondern nur noch eines von vielen Angeboten zur Freizeitgestaltung. Mit dem ursprünglichen 1.Mai, wo es um Forderungen der Arbeiter ging, hatte das nichts mehr zu tun. Aber auch mit dem 1.Mai des Dritten Reiches, wo es um die Anerkennung der Verdienste der Arbeiter ging, hatte das nichts mehr zu tun. Hauptsächlich ging es hier wohl nur noch darum, in den Medien präsent zu sein und auf diese Weise für sich selbst Werbung zu machen. Seit den 60er Jahren versuchte der DGB dann einen neuen Weg: Erst Massenkundgebungen, dann Volksfest. Die Beteiligung nahm wieder zu, was aber auch auf die generelle Verschlechterung der wirtschaftlichen Lage zurück zu führen sein dürfte, in der sich viele Arbeiter hilfesuchend wieder Richtung Gewerkschaft orientierten. Vergeblich, wie wir heute wissen.
Ende der 60er/Anfang der 70er Jahre fingen neben den Gewerkschaften auch andere, alternative Gruppen an, Kundgebungen durchzuführen. Parallel dazu nahmen die Störaktionen bei offiziellen DGB-Feiern zu. Dies führte schließlich dazu, daß der DGB ab 1977 für mehrere Jahre in Hamburg, Frankfurt, Bremen und Berlin nur noch Saalveranstaltungen durchführte. Seit Anfang der 80er Jahre schlossen sich DGB und die alternativen Gruppierungen jeweils für den 1.Mai zu einem Bündnis zusammen, wie wir es auch heute noch erleben. Der übliche 1.Mai bestand dann aus einer DGB-Demonstration, an deren Abschlusskundgebung sich ein alternatives Straßenfest oder ein Volksfest für die ganze Familie zu anschloß. Heute hat der ehemalige "Kampf- und Feiertag der Arbeiter" nur noch Volksfestatmosphäre mit Livemusik, Dönerbude, Freibier, Spiel und Sport für die Kinder und einem kleinen Pflichtteil, der aus einer Demonstration besteht. Das friedliche gemeinsame Bild von DGB und alternativen Gruppen hielt an bis 1987, wo es dann in Berlin-Kreuzberg das erste mal zu den bis heute üblichen Krawallen durch die Linken kam. Auslöser waren Hausdurchsuchungen, die auf Proteste gegen eine Volkszählung und somit einer Massenerfassung der Bürger erfolgten. |
|||
| Kampftag | |||
Der 1.Mai - unser Kampftag! Der nationale Widerstand festigte in den 90er Jahren ganz allgemein sein Recht auf die Straße mit einer zunehmenden Zahl von öffentlichen Demonstrationen, die zunehmend stärker besucht waren. Auch juristisch konnte das Recht auf die Straße langsam aber sicher erstritten werden, obwohl es noch bis nach der Jahrtausendwende dauerte, ehe durch das Bundesverfassungsgericht eine grundlegende Rechtssprechung zu unseren Gunsten erfolgte. Mit zunehmender Festigung des radikalen Widerstandes auf der Straße wurde auch der 1.Mai als Kampftag für nationale und sozialistische Forderungen etabliert. Dies begann zunächst im Jahre 1992 in Berlin, wo sich die seit 1995 verbotene "FAP" mit einigen Dutzend Aktivisten am 1.Mai in Prenzlauer Berg versammelte. Von einem richtigen Aufmarsch konnte noch keine Rede sein, aber erste Auseinandersetzungen mit dem Feind sorgten bundesweit für mediales Aufsehen: Es gab wieder einen nationalen 1.Mai-Kampftag!
Daran wollten die Berliner Kameraden mit auswärtiger Unterstützung auch im Jahre 1993 anknüpfen. Abermals war es die später verbotene "FAP", die eine Versammlung organisierte. Rund 100 Aktivisten kamen in Berlin-Lichterfelde zusammen, die einen kurzen knackigen Marsch durchführen konnten. Der rote Pöbel konnte aufgrund der Polizeipräsenz kaum stören, zu kurzen Auseinandersetzungen kam es aber dennoch vereinzelt. 1994 hatte die Polizei wegen angeblichem Notstand eine von der "FAP" angemeldete 1.Mai-Demonstration in Berlin-Treptow verboten. Es kam zu einer Spontandemo in Prenzlauer Berg, wo die Polizei mehrere Aktivisten festnahm. Bislang konzentrierten sich die 1.Mai-Aktivitäten des nationalen Widerstandes auf Berlin, was unter anderem auf die Zersplitterung des radikalen Widerstandes in viele Kleinstorganisationen zurückzuführen war. Dies änderte sich schlagartig nach den Verbotsjahren. Mit der bundesweit agierenden "FAP" und der "Nationalen Liste" aus Hamburg wurden im Frühjahr 1995 die letzten nennenswerten - und bis dahin getrennt agierenden Organisationen - des radikalen Widerstandes verboten. Die Zeit der Neuorientierung war gekommen. Eine Vielzahl freier, weil nicht mehr organisationsgebundener, Kameradschaften und Gruppen vernetzte sich zusehends, was die Schlagkraft für künftige gemeinsame Demonstrationen wieder erhöhte.
So kam es, dass 1996 die erste überregionale 1.Mai-Demonstration stattfand. Rund 350-400 Aktivisten aus dem ganzen Bundesgebiet kamen im Stadtteil Marzahn zusammen. Eine beachtliche Zahl nach den mageren Jahren der Verbote. Organisiert wurde der Aufmarsch von NPD und JN, aber dominant war damals schon die große Zahl parteifreier Kräfte, die fortan das Bild auf der Straße prägen sollten. Der Staat reagierte: 1997 wurde eine von der NPD angemeldete zentrale 1.Mai-Versammlung des nationalen Widerstandes in Leipzig verboten. Damals gab die Rechtslage eine Aufhebung des Verbotes noch nicht her. Doch der Widerstand ließ sich das Recht auf die Straße nicht mehr nehmen. Am 1.Mai 1997 kam es zu spontanen Aufmärschen im Bundesgebiet, wobei der Marsch in Hannoversch-Münden mit 350-400 Teilnehmern der größte war. Aber auch in Sachsen marschierten über 200 Aktivisten.
1998 gelang es, die schon im Vorjahr beabsichtigte zentrale Kundgebung des nationalen Widerstandes in Leipzig durchzusetzen. Allerdings beschränkt auf eine stationäre Kundgebung am Völkerschlachtdenkmal. Trotzdem kamen überwältigende 5.000 Teilnehmer dorthin. Insbesondere die mittlerweile sehr gut vernetzten freien Kräfte aus dem ganzen Bundesgebiet fanden sich nicht tatenlos mit der polizeilichen Einkesselungsstrategie ab. Aus der stehenden Kundgebung heraus setzte sich ein großer Marschzug in Bewegung, der nur noch mit übelster Polizeigewalt gestoppt werden konnte.
Da die richtungsweisende Rechtssprechung des Bundesverfassungsgerichtes erst Jahre später erfolgen sollte, gab es 1999 einen juristischen Rückschlag: Die beabsichtigte zentrale 1.Mai-Demonstration in Bremen, die von der NPD angemeldet worden war, wurde verboten. Doch wie schon 1997 ließ sich der nationale Widerstand durch solche Verbote nicht mehr davon abhalten, den 1.Mai-Kampftag durchzuführen. Die wohl größte spontane 1.Mai-Demo 1999 fand im schleswig-holsteinischen Ahrensburg (bei Hamburg) mit über 500 Teilnehmern statt. Im Jahr 2000 wurde erstmals Abstand genommen von der Strategie einer bundesweiten, zentralen 1.Mai-Versammlung. Eine Ursache waren sicher die Verbotserfahrungen, wobei sich die NPD als Partei eher vor das Problem gestellt sah, als die vielen freien Kräfte, die aufgrund ihrer guten informellen Vernetzung auch spontan Erfolge erzielen konnten. Zudem traten Differenzen zwischen Partei und freien Kräften auf, die die Akzeptanz einer von der NPD angemeldeten bundesweiten 1.Mai-Demo sehr gering ausfallen ließ. Die NPD entschied sich also für dezentrale 1.Mai-Demos, wobei Berlin mit rund 1.100 Teilnehmern und Ludwigshafen mit knapp 300 Teilnehmer am erwähnenswertesten waren. Rund 400 norddeutsche Aktivisten, überwiegend aus freien Zusammenhängen, nahmen zwar an der Kundgebung in Berlin teil, führten jedoch auf dem Weg dorthin eine gelungene Spontandemo in Neuruppin durch, die weder vom Staat noch von rotem Pöbel in irgendeiner Weise hätte beeinträchtigt werden können.
Nachdem im Jahr 2000 ein Verbotsverfahren gegen die NPD begonnen hatte und die Parteiführung mit einem selbstauferlegten Demonstrationsverbot rückschrittlich reagierte, vergrößerten sich die Differenzen zwischen Partei und freien Kräften. Die Folge: Am 1.Mai 2001 kam es zu einer zentralen Demonstration aller freien sowie revolutionären Kräfte innerhalb der NPD in Frankfurt am Main. Der Einbruch in die Bastion des Kapitals und des multikulturellen Molochs gelang mit über 1.000 Teilnehmern besser als erwartet. Es gab erwartungsgemäß nicht nur erhebliche polizeiliche Repression, sondern bei der Anreise mit Straßenbahnen (!) auch heftige Auseinandersetzungen mit roten und ausländischen Banden. Zeitgleich führte die NPD dezentrale Aktionen u.a. in Berlin durch, an denen sich mehrere hundert Menschen beteiligten. Auch 2002 und 2003 gab es keine gemeinsamen 1.Mai-Demonstration mit der NPD-Bundesführung. Im Jahr 2002 sollte der Erfolg von Frankfurt 2001 wiederholt werden, jedoch gab es einen Mobilisierungsrückgang auf 500 Teilnehmer. Ehe jedoch die Demonstration beginnen konnte, gab es derart schwerwiegende polizeiliche Rechtsbrüche gegen Teilnehmer, dass viele Teilnehmer sich entschlossen zur Wehr setzten, worauf die Polizei die Lage eskalieren ließ. Letztlich sollte nur eine äußerst eingeschränkte Demonstration zugelassen werden und auch nur mit den von der Polizei noch nicht ausgeschlossenen Teilnehmern, so dass die Versammlungsleitung aus Protest gegen die polizeiliche Repression die Versammlung auflöste. Im Jahr 2003 kam es dann zum größten 1.Mai-Aufmarsch des nationalen Widerstandes seit 1998. In Halle/Saale versammelten sich über 1.200 Aktivisten zur zentralen 1.Mai-Demo freier Kräfte. Die NPD führte an diesem Tag ihre dezentralen Aktionen durch. Erst 2004 kam es erstmals zu einer 1.Mai-Demonstration, wo NPD-Bundesvertreter und Vertreter freier Kräfte gleichberechtigt die Organisation des geplanten Marsches in Berlin in Angriff nahmen. In den letzten Jahren hatte sich allgemein eine gewisse Demonstrationsmüdigkeit im Widerstand ausgebreitet, die Mobilisierungen über das ganze Jahr waren nicht mehr so hoch wie noch Ende der 90er Jahre. Dies führte dazu, dass sich viele Aktivisten von einer gemeinsam geplanten 1.Mai-Demo wieder einen Mobilisierungsschub erhofften. Mit rund 3.500 Teilnehmern gelang dies auch. Viele Aktivisten blieben allerdings skeptisch gegenüber der NPD-Bundesführung und beteiligten sich stattdessen an einer freien 1.Mai-Demonstration in Leipzig, wo über 1.000 Teilnehmer zusammen kamen. Alles in allem war die Beteiligung an 1.Mai-Demonstrationen gegenüber den Vorjahren wieder angestiegen. In den Jahren 2005, 2006 und auch 2007 hatte sich die dezentrale Strategie durchgesetzt. Dies hatte zwar nicht alleine strategische Gründe, änderte jedoch nichts an der ungebrochenen Bereitschaft, den 1.Mai als unseren Kampftag auf der Straße durchzusetzen. Der 1.Mai hat mit seiner Symbolkraft eine maßgebliche Rolle in unserem Kampf für nationale und sozialistische Veränderungen, im Kampf gegen System und Kapital!
Ein Nachtrag Als wir anfingen, uns mit dem Ursprung des politischen 1.Mai zu beschäftigen, kamen Bedenken auf, dass es eventuell Kameraden gebe könnte, die die Tatsache, dass die Datumswahl von den Amerikanern vorgeschlagen wurde und u.a. dem Gedenken für tote Amerikaner dienen sollte, als Ausreden nehmen würden, um zukünftig am 1.Mai nicht mehr zu demonstrieren. Eine solche Haltung können wir jedoch nicht teilen. Die Rädelsführer, die damals in Chicago zum Tode verurteilt worden sind, wurden nicht verurteilt, weil sie Amerikaner waren oder weil sie Straftaten begangen hatten. Im Gegenteil: Sie hatten nachweisbar keine Straftaten begangen. Die Bombe wurde ihnen angedichtet, um der Abeiterbewegung zu schaden. Genau wie heute uns Nationalisten immer wieder Taten (Mölln, Sebnitz usw.) angedichtet werden, um unserer Bewegung, unserem Ansehen zu schaden. Die willkürlich verurteilten Arbeiterführer wurden – genau wie heute viele Kameraden von uns – allein deswegen verurteilt, weil sie es wagten, eine systemfeindliche Einstellung zu haben. Sie wurden verurteilt, weil sie es wagten, die Zusammenarbeit zwischen Kapital und System aufzudecken und der Kumpanei von Staat und Kapital im Wege standen. Sie waren die ersten, bei denen nicht einmal ein Vorwand gesucht wurde, sondern die ganz offiziell deswegen zum Tode verurteilt worden sind, weil sie die Interessen des "kleinen Mannes" gegen System und Kapital verteidigten. Und das ist in jedem Fall Anerkennung wert, egal ob es sich dabei um Amerikaner oder Europäer handelt. |
|||
zur
Verfügung gestellt vom Arbeitskreis Mädelschar http://www.widerstandnord.com/maedelschar |